Häldenrennen 2005

Auch 2005 fand das Häldenrennen im Rahmen der Deutschen Meisterschaft statt.

Hier ein Artikel über das Event

Quelle: www.boardmag.com

Ein Bericht von Marc Schlemmer

Bilder:
-Sven Schlachta www.sven-photo.de
-Sergej Vutuc


Pic: Sergej Vutuc

Was eigentlich nur als Freeride geplant war, entwickelte sich unter den Händen der Cheforganisatoren Uwe Homm und Martin „Moadl“ Wellein zu einer Großveranstaltung:
Zum 1. Mal wurde eine offizielle offene Deutsche Meisterschaft unter den Fittichen der IGSA (International Gravity Sports Association) in den Disziplinen Stand up (Skateboard downhill), Classic Style (Buttboard), und Streetluge als Worldcup-Rennen ausgetragen.


Pic: Sven von Schlachta

Und viele folgten dem Ruf aus dem bis dato völlig unbekannten Örtchen Hälden bei Heilbronn: Hamburger, Berliner, Kölner, Konstanzer, Stuttgarter Kollektive, Freiburger Hackbrettler, dazu zahlreiche Schweizer, auch Holland, Brasilien und Österreich waren vertreten, um sich auf ihren Sportgeräten der Schwerkraft zu übergeben, um Titel und Weltcup-Punkte zu ringen oder um schlicht in den Genuss einer gesperrten und gesicherten Rennstrecke zu kommen. 500 Strohballen, dazu zahlreiche Fangnetze der Kollegen von Alsace Downhill hatten die Organisatoren an den entsprechenden Streckenteilen platziert, um grenzenloses Amusement und körperliche Unversehrtheit im abfallenden Gelände weitestgehend zu garantieren.


Pic: Sergej Vutuc

Der sehr technische Run gliedert sich folgendermaßen:
Start, lange Linkskurve, Rechtsknick, 120° Linkskurve, Schussstück, lange Rechtskurve, Schussstück, enge S-Kombination, lange Rechtskurve, lange Linkskurve, Schussstück, 120° Rechskurve, Zielschuss.

Streckenbreite ca. 2.50m, Gesamtlänge 1.2 km. Wer’s also gern eng und kurvig hat, ist hier richtig.

Für Spaß und Kurzweil war also gesorgt, ebenso wie für das leibliche Wohl von Fahrern und Zuschauern: heimische Hausfrauen kümmerten sich um Kaffee, Kuchen, Grillgut und kühle Getränke. Der Getränkehersteller Red Bull hatte auch noch seine Girls auf die Piste geschickt und der Flüssigkeitshaushalt war gesichert.

Nach reichhaltigem Frühstücksbuffet, das den Fahrern im Camp zur Verfügung stand, fanden am Samstag ab 10 Uhr die ersten Freerides auf dem Programm, um Bekanntschaft mit der Strecke zu machen.


Pic: Sven von Schlachta

Bis zum Mittag hatten die Fahrer nun Gelegenheit, Bremspunkte und –stärke sowie mögliche Linien zu erforschen und sich einfach nach Herzenslust der zügigen Bergabfahrt hinzugeben. So mancher testete da Streckensicherung und persönliche Schutzausrüstung mehrmals! Namentlich in der S-Kombination wurde manches erhitzte Gemüt wieder abgekühlt und die Lederkombi strapaziert. Auch die engen Kurven waren ein ständiger Schauplatz wilder Drift- und Überholmanöver, so dass die Shuttlebusse die Teilnehmer gar nicht schnell genug zum Start fahren konnten, da diese binnen kurzer Zeit dem Downhillvirus vollkommmen verfallen waren. Da wurde gleich mit vollem Elan operiert! Egal ob Streetluger, Buttboarder oder Stand-up-Pilot, da waren nur fröhliche Gesichter zu sehen, und auch die Zuschauer hatten mit diesen exotischen Sportkameraden ihre helle Freude und spendeten Gejohle und Applaus, vor allem natürlich, wenn jemand einschlug um danach unverzüglich wieder Fahrt aufzunehmen, schließlich war keine Zeit zu verlieren!


Pic: Sergej Vutuc

Am Nachmittag um 14.30 Uhr war es dann soweit: die Qualifikationsläufe standen an, die dazu dienten die 2er-Heats für die Vor- und Finalrunden am Sonntag zu bilden. Es galt also, in möglichst kurzer Zeit die Strecke im Einzelzeitfahren zu bewältigen, um sich eine günstige Ausgangsposition für die Endrunde zu sichern, in der der Schnellste gegen den Langsamsten, der Zweitschnellste gegen den Vorletzten usw. anzutreten hat.

Da hieß es also: Ordentlich vom Start wegpushen, Speedhocke einnehmen, die Geschwindigkeit gut durch die zahlreichen Kurven bringen und Stürze vermeiden. Los gings mit den Buttboardern, wo sich Eugen von den Kollektiven auf Platz 2 zwischen die schnellen Schweizer schob. Da nicht genug Buttboardladies für eine eigene Gruppe vor Ort waren, fuhren diese kurzerhand bei den Herren mit und sorgten so für erhöhte Spannung. Wie bei allen Kategorien galt bei den Buttboardqualis das Prinzip „best of two“.


Pic: Sven von Schlachta

Bei den 5 Streetlugern war eine Quali natürlich überflüssig, und man ließ die Burschen einfach freeriden. Ihr Stündlein würde erst am Sonntag im „Grand Prix“-Modus fallen, bei dem alle Fahrer auf einmal starten.

Nun war also die Königsdisziplin Stand-Up an der Reihe, und ein imposantes Fahrerfeld von 42 mit 4 Fahrerinnen hatte nun jeweils zweimal die Möglichkeit, sich mit Zeitmessung die Strecke hinunter zu stürzen und dabei mit der Zeit zu geizen. Da war nun natürlich auch Geduld am Start gefragt, was eine gute Gelegenheit zum Unterhalten, Zigarettenrauchen oder zur inneren Einkehr bot. Auch wurde noch manches Wheel gewechselt oder Lager geölt.

Hier und da musste noch kurz eine Lederkombi getaped oder eine Achse nachgezogen werden, am Material soll’s ja nicht liegen!


Pic: Sergej Vutuc

Nicht gänzlich unerwartet legte der amtierende Weltmeister Bassi Haller aus Stuttgart von den Kollektiven mit 1´20 min. die deutliche Bestzeit mit einem konsequenten Run hin, und zeigte damit sogar dem schnellsten gemessenen Buttboarder wo der Bartl den Most holt.

Gerade noch im Organisationsstress, und nun auf der Rennstrecke, so warf sich der gute Hack, Longboardforscher, -bauer und -entwickler sowie Namensgeber des gleichnamigen Racingteams aus Freiburg, als einer der Letzten in seinem ersten Tageslauf überhaupt ins leder und den Buckel runter. Viel anbrennen ließ der nicht, und lenkte seinen „Blitz“ mit einer 1´23 min. auf Rang 2, bei dem es dann auch nach dem 2. Versuch blieb.

Der restliche Hackbrett-Clan mit Stefan und Marc positionierte sich auf den Plätzen 21 und 20 um von dort aus die Angriffe in den Heats zu führen.


Pic: Sergej Vutuc

So neigte sich ein toller Tag mit genügend sportlicher Betätigung langsam dem Ende zu, und bei der Rückkehr ins Camp freute sich schon ein jeder auf kühle Biere und eine tüchtige Mahlzeit.

Auch hier hatten die Organisatoren bestens vorgesorgt, und es war nie Mangel. Kaum waren die Rigatoni mit Tomatensoße verschlungen, da spielte auch schon die erste Band des Abends im Partyzelt auf, und als dieser eine Skaband folgte war die Feier schon im Gange, man goss sich freudig ein und ging gerne zum nahen und gut geführten Desperadosstand, wo preiswert Bier und andere kühle Getränke die müden Glieder wiederbelebten. So nahm ein fröhliches fest mit prächtiger Unterhaltung seinen Lauf, inklusive Zeltbekletterung und der obligatorischen Bierdusche und mancher zog erst in den frühen Morgenstunden von dannen.


Pic: Sven von Schlachta

8.00 Frühstückszeit !!!
Nach wiederum reichhaltigem Frühstück und 2 Kaffee mehr war es an der Zeit, sich um 10.00 Uhr auf der Strecke wachzubomben, solange diese noch trocken war. Es gab genau einen trockenen Lauf, ehe es anfing zu giessen. Noch ein Lauf im Nassen und es schüttete. Da half es nur noch sich in den Zelten unterzustellen und zu hoffen!

Als der Regen nicht nachließ, kam erst mal der Frühschoppen, und man beschloss auf 13.00 ein Ridersmeeting anzuberaumen um den weiteren Verlauf des Rennens zu klären. Vor allem die Stand-Up-Läufe waren zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll durchführbar, auf der Strecke liefen die Bäche runter.


Pic: Sergej Vutuc

Den Veranstaltern lief die Zeit davon.

Nach dem Ridersmeeting regnete es immer noch mit minutenlangen Unterbrechungen und die Rennleitung um Uwe, Moadl und Eimer beschloss, Streetluge- und Buttboardheats trotz Nässe und Niederschlag zu starten.

Bei den Buttboardern spielte Eugen „der Regenmann“ von den Kollektiven seine Erfahrung aus und siegte im Finale nach einem erfolgreich abgeschlossenen Überholmanöver nach der S-Kombi und holte sich nach langer Verletzungspause den Titel.


Pic: Sven von Schlachta

Trotz des schlechten Wetters waren einige Zuschauer an der Strecke, die die Fahrer ins Ziel brüllten. Hoch her ging’s natürlich auch bei den Lugern in ihrem Grand Prix Heat, und wieder einmal war die S-Kurve der place to be, wo sich harte Positionskämpfe geliefert wurden. So mancher Athlet musste da die Abkürzung durchs grün wählen, so rutschig war’s! Das war natürlich ganz nach dem Geschmack der Zuschauer, die bei solchen Aktionen laut schrieen und den Unglücklichen anfeuerten, der sich dann ja wieder mühselig ins Feld einfädeln musste. Währenddessen cancelte die Rennleitung aufgrund des schlechten Wetters und der restlichen verbliebenen Zeit für die Streckensperrung den Stand-Up-Wettbewerb, und so wurden die Qualifikationsränge zum Endstand.


Pic: Sergej Vutuc

Aufgrund der vorherrschenden Wettersituation nachvollziehbar, aber dennoch jammerschade, denn so fiel das eigentliche Rennen der meisten Teilnehmer tatsächlich ins Wasser. Wo doch alle heiß aufs Batteln waren! Heats rasen, das war es was diesen Athleten doch am Herzen lag, Downhill im Angesicht des Gegners, Eliminationsmodus, wo Freud´ und Leid so nahe beieinander liegen!! Sollte das schon das Ende der Mission sein!?

Nicht ganz!


Pic: Sven von Schlachta

Nach dem Streetlugerennen war es allen Teilnehmern freigestellt, trotz des schlechten Wetters zu freeriden, die Shuttlebusse standen natürlich zur Verfügung. Da waren natürlich allen voran die Stand-Up-Rider happy, wenigstens noch ein bisschen fahren, nach all den Unbillen des bisherigen Tages! Da kam wie durch Geisterhand die Sonne heraus und trocknete die Strecke ab!

Kaum waren die ersten Freifahrten absolviert, war die Strecke innerhalb 30 Minuten auch schon vollständig trocken!

Potzblitz, ging das nicht mit dem Teufel zu? Gerade noch Land unter und nun, nach Absage des Rennens eitel Sonnenschein!?

Wie jeder weiß, sagt der Volksmund: „der Freeride ist so zu gestalten, dass Höchstgeschwindigkeiten walten.“

So sollte es sein! Für die noch verbleibenden 1.5 Stunden wurde der Kurs intensivst unter die Rollen genommen.


Pic: Sergej Vutuc

Da wurden Absprachen getroffen, wer sich mit wem zu messen gedachte, da wurde am Limit operiert, das Feuer geschürt und sich kein Meter geschenkt! Manche Fahrer lehnten das Benutzen der Fußbremse hin und wieder ganz ab, und erzwangen so manchen wilden Ritt. Wiederum andere fuhren bevorzugt in grossen Gruppen in enge Kurven, wodurch sie sich immer wohler fühlten und ganz vergaßen, dass das rennen abgesagt worden war. Auch mit Longboardrollen getunte Bobbycars wurden schnellstmöglich bergab bewegt. Selbst ein Mountainbiker mischte irgendwann auch noch mit, selbstverständlich in voller Crossmontur.


Pic: Sven von Schlachta

Es war ein ausgelassenes Treiben, das hier am Ende der Deutschen Meisterschaften von statten ging, und auch die Zuschauer waren deswegen einigermaßen geflasht, es war halt schon etwas anderes als den Kühen von Hohenlohe beim Grasen zuzusehen.

So fand der Tag doch noch ein versöhnliches Ende, als dann der finale 17 Uhr-Regenguss endgültig Einhalt gebot.

Die Stand-Up-Ergebnisse lauten den Qualizeiten zufolge:

1. Haller 2. Olpp 3. Fremant (CH) 4. Martinez (CH) 5. Nischl 6. Linder (CH) 7. Rüfli (CH) 8. Papaux (CH) 9. Uhlmann 10. Batt

Was bleibt noch zu sagen?
Erfreulicherweise keine irreparablen Verletzungen, obwohl 2 Teilnehmer ärztliche Hilfe benötigten.


Pic: Sven von Schlachta

Der jüngste Teilnehmer war 3.5 jahre alt und war beim Freeriden auf einem Buttboard unterwegs. Als einer der Großen den Kleinen fragte, wie es denn so für ihn laufe, entgegenete dieser kühl: „Ich bin euch am Arsch!“

Prächtiger kompetitiver Nachwuchs steckt da in den Startlöchern!

Ich persönlich, und sicherlich auch viele Andere, hoffen vor allen Dingen auf ein Remake dieser phantastischen Veranstaltung, die definitiv mehr war als einfach nur ein „Rennen“. (Und natürlich auf ein wenig mehr Fortune mit dem Wetter, verdammt). Deshalb sei den Veranstaltern herzlicher Gruß und Dank ausgespochen, die dieses aufwändige Event zu großen Teilen aus eigener Tasche vorfinanziert und Downhill mit vollstem Einsatz gepusht haben.

Nice one.
Face down.


Pic: Sven von Schlachta

M.C.S.


Pic: Sven von Schlachta